Veränderungen im Berufsfeld der Steuerberater
Das berufliche Umfeld der Steuerberater befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess. Hieraus ergeben sich sowohl Risiken, als auch ein enormes Chancenpotential, das die moderne und zeitgemäße Kanzlei unbedingt nutzen sollte.
Die Honorare für die originären Steuerberatungsleistungen stehen zunehmend unter Druck. Dies wird sich durch die derzeitig schwierige Situation vieler Mandanten weiter verstärken. So ist der Steuerberater gefordert, seinen werthaltigen Mandanten neue Dienstleistungen anzudienen.
Risiken steigen durch eine immer anspruchsvollere Erwartungshaltung der Mandanten, durch immer höhere Anforderungen an den Berufsträger, durch steigende Gesetzesflut und immer unsichere rechtliche Grundlagen zum Beispiel bei Gestaltungsberatungen. So steigen auch die Haftungsgefahren bei der Beratung. Weiterhin verschärft sich zunehmend der Wettbewerbsdruck auf dem „Steuerberatermarkt“ durch immer mehr Steuerberater und durch Angehörige anderer Berufe.
Chancen ergeben sich für die Steuerberatungskanzlei durch ein modernes Dienstleistungsmarketing, die es Steuerberatern erlauben, sich besser und damit erfolgreicher auf dem Markt zu positionieren. Chancen durch neue Betätigungsfelder jenseits der klassischen Steuerberatung, beispielsweise durch die professionelle Anbietung neuer Beratungsfelder im Rahmen der vereinbaren Tätigkeiten, z.B. Ratingberatung, Sanierungsberatung, Controlling, Financial Planning, etc.
Die zeitlichen Ressourcen des Steuerberaters sind bei der täglichen Arbeit bereits mehr als aufgezehrt. So fehlt es oftmals nicht am Willen, sondern am „übervollen“ Kanzleialltag, dass neue Dienstleistungsfelder für die eigene Kanzlei nicht selbst entwickelt werden können. Auch fehlt es an geeigneten Zusatzqualifikationen des eigenen Personals, da nach wie vor überwiegend steuerrechtlich ausgebildete Mitarbeiter die anspruchsvollen Felder der originären Steuerberatung bewältigen.
Spezialisieren und kooperieren wird für alle Kanzleien die Herausforderung der Zukunft sein. Dem Steuerberater ist es besonders wichtig, dass er bei seinen eigenen Mandanten nur mit Kooperationspartnern zusammengearbeitet, die auch die eigenen hohen und selbstauferlegten Qualitätsansprüche erfüllen. Schließlich handelt es sich bei den Mandanten um das werthaltigste Asset einer Kanzlei.
Projektwirtschaft als zukünftiger Wachstumsgenerator
Prognosen zufolge liefert im Jahre 2020 die sogenannte „Projektwirtschaft“ voraussichtlich ca. 15 Prozent der gesamten Wertschöpfung in Deutschland (in 2007 waren es etwa 2 Prozent). „Projektwirtschaft“ steht für zumeist temporäre, außerordentlich kooperative, oft auch globale Wertschöpfungsprozesse. Diese Art der Kooperation ist für viele Unternehmen zukünftig häufig die effizienteste Art des Wirtschaftens.
Erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen entstehen immer häufiger durch die Konvergenz verschiedener Technologie- bzw. Wissensfelder; viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind in Zukunft noch stärker spezialisiert als heute schon. Sie kooperieren daher immer häufiger in gemeinsamen Projekten.
In solchen Projekten stehen Experten mit Spezialwissen als Kooperationspartner zur Verfügung, wo im Kunden- oder Mandantenkreis schwierige Aufgabenstellungen zu bewältigen sind und eine Kanzlei oder ein Unternehmen nicht selbst über die benötige Expertise in bester Qualität und Güte verfügt. (Deutschland im Jahr 2020 -Neue Herausforderungen für ein Land auf Expedition, Deutsche Bank Research, 2007).
Qualität, Wissensmanagement und Experten-Netzwerke werden zukünftig auf dem Steuerberatermarkt an immenser Bedeutung gewinnen. |